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BibleWorks 8

Alexander Drews

http://enkyrio.blogspot.com, July 2, 2010 through December 31, 2010.

URL: http://enkyrio.blogspot.com/2010/07/bibleworks-8-installation-und-umfang.html, http://enkyrio.blogspot.com/2010/10/2-bibleworks-8-hilfen-und-equipment.html, http://enkyrio.blogspot.com/2010/12/3-bibleworks-8-eine-predigt-mit-bw8.html, http://enkyrio.blogspot.com/2010/12/4-bibleworks8-korpuslinguistik-und-bw8.html, http://enkyrio.blogspot.com/2010/12/5-bibleworks-8-umwelt-at-u-nt-und-bw8.html, http://enkyrio.blogspot.com/2010/12/6-bibleworks-8-meine-wurdigung.html [Retrieved on 2011-01-10]

Diese Serie ist eine ausführliche Auseinandersetzung mit BibleWorks 8 (BW8). Neben der Rezension von Prof. Dr. Thomas Hieke, einer Rezension von Hans-Georg Wünch zu BW7 (in JETh 21 (2007), S. 219-221), der Rezension von Prof. Dr. Boris Repschinkski SJ und einem Vergleich zwischen SESB und BW8 existiert nämlich m. W. keine eingehende Würdigung von BW8 im deutschsprachigen Raum.

1) BibleWorks 8: Installation und Umfang

Es gibt mittlerweile ein Dutzend verschiedener Software-Anwendungen, die das Auslegen der Bibel zu ‚erleichtern‘ suchen. Jedes Programm hat für sich eigene Schwerpunkte und Zielsetzungen (vgl. den hilfreichen Überblick von Prof. Dr. Thomas Hieke (JGU Mainz)). BibleWorks gehört schon seit Jahren zu den herausragenden Anwendungen. 

Die aktuelle Version - BibleWorks8 (BW8) – liegt mir vor. In der übersandten Box befinden sich eine DVD (Bestellung im CD-Format ebenfalls möglich) und ein Quick-Start-Guide (eine erste Einführung zur Handhabung der Software). Die Installation ist - wie erwartet – simpel. Nach dem Einlegen der DVD startet das Setup-Programm und ich kann dem Installationsvorgang zustimmen.

Danach ist nichts weiter zu tun, als den auch sonst bekannten Installationsabfragen zu folgen. Sinnvoll ist, einen benutzerdefinierten Umfang zu wählen, um z. B. nicht relevante Bibelübersetzungen auszuschließen. Nach Abschluss der Installation wünscht BW8 einen Neustart des Rechners.

Nach dem Neustart des Rechners ist eine Aktivierung durch die Eingabe der Product / Serial number nötig. Der Nutzer hat hierfür 30 Tage Zeit. Die sicherlich für die meisten Nutzer einfachste Möglichkeit ist eine direkte Aktivierung übers Internet (‚Activate by Internet‘). Etwas unflexibel wirkt es aber, wenn für die Aktivierung ausschließlich der Internet Explorer (IE) verlangt wird. Nutzer anderer Browser haben hier keine andere Wahl: sie müssen die Installation des IE nachholen und können dann erst die Aktivierung vornehmen.

Was BW8 beinhaltet, ist aus der Internetseite ersichtlich (siehe). Die Einträge in blauer Schrift sind erst in der Version 8 verfügbar. Der Umfang ist überwältigend (z.B. Bibelübersetzungen aus 36 verschiedenen Sprachen). Auffallend ist – und das ist ein Charakteristikum von BW8, dass diverse Ausgaben in den Grundsprachen, einzelne Bibelübersetzungen und Hilfsmittel zur Erlangung griechischer und hebräischer Sprache den Schwerpunkt bilden.

Der deutsche Leser vermisst auf Anhieb einzig die geläufige Luther-Übersetzung von 1984. Anderen Nutzern könnte weitere Sekundärliteratur fehlen, die aber durch den Erwerb entsprechender Codes freigeschaltet werden kann.

 

2) BibleWorks 8: deutschsprachige Hilfen und Equipment

Einen bedeutenden Sprung im Aufbau hat das Programm BW von der Version 6 auf 7 gemacht. Seit BW7 haben die Entwickler das Programm "dreigeteilt": Such-Fenster (Search window), Ansicht (Browse window) und Analyse (Analysis window). Diese Aufteilung soll auch dem natürlichen Vorgehen beim Bibelstudium nachempfunden werden: zunächst sucht man einen Text, liest/übersetzt und analysiert diesen.

Der Unterschied zwischen BW7 und BW8 liegt dagegen in inhaltlichen Details. Eine Übersicht über die Neuerungen in BW8 findet sich auf der offiziellen Seite von BibleWorks.
Wegen dieses Umstands sind deutschsprachige Einführungen zu BW7 auch für die Nutzung der neuen Version (BW8) hilfreich. Und hier gibt es einige relativ ausführliche Quellen, die die grundlegenden Funktionen von BW erläutern.

  • ein User (Sammy) hat das englischsprachige "Tutorial - BW7 First Things" ins Deutsche übersetzs.Siehe!
  • Prof. Dr. Hieke hat eine 6seitige "Kurze Einführung in BibleWorks 7" verfasst.
  • eine sehr ausführliche Auseinandersetzung mit vielen Screen Shots bietet die Arbeit (BibleWorks 7 - Anleitung) von Alfred Schweiger

In allen drei Dokumenten wird die grundsätzliche Bedienung von BW gut erklärt. Hervorzuheben sind hier die Ausführungen zu den Suchbefehlen der command line.

BibleWorks zeichnet sich durch ein umfangreiches Equipment aus, das die Nutzung des Programms hinreichend erklärt. Besonders empfehlenswert sind hier die sog. "Getting Started" Videos, die in die Grundfunktionen der Software einführen. Vertiefende Informationen erhält der Nutzer in den "Study Guides" (mit vier Schwerpunkten: Major TasksDisplaying Bible Text and Reference Works, Analyzing Bible Text und Miscellaneous Tasks) und in den überaus ausführlichen Hilfetexten. Nachteilig sind die Tools für den Nutzer, der nicht so sehr mit der englischen Sprache vertraut ist. 

Beachtlich finde ich diesen Hinweis, der in einigen Study Guides immer wieder einleitend wiedergegeben wird:

"Below are procedures to help you study the Bible. Remember that these procedures can never guarantee you success in your Bible study. The elements most important to your Bible study are prayer, humility, and a desire to know God and His Word."  

Dies zeigt die innere Verpflichtung der Softwareentwickler, BW8 als Hilfsmittel fürs Studium der Bibel anzubieten, die geistliche Dimension des Bibelstudiums aber nicht zu mißachten. Beachtlich!

3) BibleWorks 8: eine Predigt mit BW8 vorbereiten

So gut eine Bibelsoftware in der Theorie auch ist, ihren eigentlichen Nutzen kann sie erst in der Praxis beweisen. Wie steht es aber mit BW8 diesbezüglich? Also, am 27.02.2011 habe ich eine Predigt zu halten - wie gehe ich mit Hilfe von BW8 vor? Übrigens, hier ein Post von Ron Kubsch, wie Tim Keller sich auf Predigten vorbereitet.

a) Zielsetzung

Am Anfang steht die Frage nach Inhalt und Zielsetzung der Predigt. In diesem Fall ist eine Perikope (in unserer Gemeinde) nicht festgelegt. Hier kann ein längeres "Fragen im Gebet" eine Strategie für die Auswahl des Predigttextes sein und/oder die relativ zügige Festlegung auf einen Predigttext, der mir aktuell als relevant für die Gemeindesituation erscheint. Da ich in den letzten Tagen einiges über den Dialog mit dem Islam gelesen habe und die Gemeinde hier kontextuell herausgefordert ist, neige ich zu einem Text, der in diese Richtung eine Anwendung bietet.

Kann mich BW8 (bei der Auswahl des Predigttextes) unterstützen?

  • ich könnte die bible outline nutzen (letztlich sind es Überschriften über einzelne Abschnitte der Heiligen Schrift)
  • weiter stehen mir viele vorbereitetete Ressourcen, die die Texte nach Themen gliedern: theStephan, Biographical Bible, the Nave, Nave's Topical Bible, the Thompson, New Chain-Reference Bible und the Torrey, New Topical Text Book

Ich erinnere mich an den Aussage des Paulus "ein Jude den Juden werden usw." und suche [.Jude Juden], lande 4 Treffer, wovon 1Kor 9,20 der richtige Vers ist. Nach einem kurzen Überblick entscheide ich mich grob für den Text 1Kor 9,14[oder 15]-23[oder 27]. Den genauen Textumfang kann ich später noch bestimmen.
Ich entscheide mich für die Predigt, die irgendwie in Richtung "die Mission der (univesalen) Kirche mit besonderem Blick auf den Islam am Beispiel des Apostel Paulus".

b) Texteingrenzung, Kontextfragen, Strukur

Um sich einen Überblick über die Struktur und den Zusammenhang eines Textes zu verschaffen, bietet BW8 das Leedy Greek NT Diagrams und das MacDonald Greek Transcription an.

Leedy ist insofern hilfreich, als es die grammatikalischen Zusammenhänge (insbesondere im Vers selbst) graphisch darstellt (die "lexikalisch-grammatische Textanalyse" nach H. v. Siebenthal). Der Nutzer hat auch die Möglichkeit, den Text für sich zu erarbeiten und eine eigene Übersicht darzustellen. Dies wir in diesem Fall auch nötig sein, da Leedy hier nur bis 1Kor 9,1-10 eine Übersicht anbietet.
MacDonald arbeitet ähnlich, hebt farblich aber wichtige bzw. aufeiander bezogene Begriffe im Text hervor. Dadurch können wesentliche Schlüsselbegriffe zügig erkannt werden. Auch hier werden Haupt- und Nebensätze durch Einrückungen im Text hervorgehoben. Ich erkenne auf Anhieb, dass mit 1Kor 9,15 ein neuer Abschnitt beginnt (der natürlich sich auf 1Kor 9,14 bezieht) und dass 1Kor 9,23 mit den folgenden Versen nach MacDonald zusammenhängt. Ich kann also meinen Text eingrenzen und lege mich (vorerst) für die Übersetzung auf 1Kor 9,15-27 fest.

c) Textkritik und Übersetzung

Für das textkritische Arbeiten am Text (also die Untersuchung der verschiedenen Varianten und ihre Bewertung) bietet BW8 den Tischendorf, NT Apparatus an. Dieser kann über das Analyse-Fenster direkt angesteuert werden. Abgesehen davon, dass die regelmäßige Predigtvorbereitung bei mir sich am NA 27 (Nestle-Aland NT Graece 27. Aufl.) orientiert (und ich kaum in die Textkritik einsteige), ist der Tischendorfer mir wegen lateinischer Erklärungen nicht zugänglich und daher wenig brauchbar (im Hilfe-Text werden die wichtigsten lateinischen Ausdrücke englisch erläutert).

Eine anspruchsvolle Arbeit kann mit BW8 geleistet werden, indem einzelne griechische Ausgaben (NA 27, textus receptus usw.) miteinander verglichen werden können (Text Comparison Settings). Nach Durchführung zeigt das Programm voneinander abweichende Lemma farblich markiert. Soweit will ich in diesem Fall gar nicht gehen.

Für die Niederschrift der Übersetzung kann ich die Notes-Funktion (oder den Editor) nutzen.

d) Tiefenbohrungen: begriffsgeschichtliche Studien, Hintergrund des Textes usw.

Das Untersuchen einzelner wichtiger Begriffe im Text erscheint mit BW8 relativ simpel.

 

Indem der Nutzer auf einen bestimmten Begriff mit der Maus im "Browse Window" zeigt, erscheinen rechts im "Analysis Window" diverse Verweise auf Lexikas. Je nach Auswahl kann der Nutzer eine ganze Auswahl an Lexikas überblicken oder er arbeitet vornehmlich mit einem Lexikon. Desgleichen kann er auch zügig auf andere Parallelstellen zugreifen, in denen der Terminus ebenfalls verwendet wird.

Über die BibleWorks Timeline erfahre ich, wann der 1Kor allgemein datiert wird und welchem Verhältnis dies zu anderen geschichtlichen Ereignissen steht. 

e) weitere Hinweise zur Anwendung von BW8

Der Nutzer kann im Verlauf seiner Untersuchung auf einige Kommentare (u. a. der Kirchenväter) zurückgreifen, sich eigene Notizen zu der untersuchten Stelle machen, über diverse (thematische) Bibellexika sich den Hintergrund des Textes erarbeiten (Paulus, Barnabas und deren Apostelamt, zu Korinth als Stadt etc.). Bei atl. Texten wird auf das Werk Old Testament Quotations in the New Testament (Gleason L. Archer and Gregory Chirichigno) eine enorme Hilfe sein  bzw. den hebräischen Text mit der LXX vergleichen/analysieren.

Für den sprachlichen Background stehen hebräische und griechische Grammatiken zur Verfügung, die im einzelnen (nach dem bekannten Prinzip) zu der jeweiligen Stelle aufgerufen werden können. 

Abschliessend bestünde die Möglichkeit, die Notizen zu den einzelnen Versen (auch Teile der lexikalischen Ressourcen zur Stelle) in ein einziges rtf-Dokument zu generieren. Der Nutzer entscheidet über den Umfang der Stelle, die jeweiligen Bibelversionen und die Inhalte, die er aus dem Analysis Window schon kennt. Durch den Export ins rtf-Format kann der Nutzer sich dem Formulieren des Predigtmanuskripts zuwenden.

f) Fazit

Wie der Überblick zeigt, hilft mir BW8 nicht so sehr bei der Ausformulierung der Predigt (wie denn auch! es bleibt etwas individuelles), aber BW8 zeigt Wege auf, wie ich mich mit dem Text vertraut machen kann. Der problemlose Export (mit diversen Einstellungsmöglichkeiten) in mein Textverarbeitungsprogramm vervollständigt den positiven Eindruck.

4) BibleWorks 8: Korpuslinguistik und BW8

Die computerunterstützte Korpuslinguistik ist ein aufstrebender Zweig innerhalb der Sprachwissenschaften (vgl. wikipedia). Mit Hilfe quantitativer und qualitativer Abfragen werden Textkorpora (Textsammlungen, die schnell mehrere Millionen an Wörtern enthalten) auf bestimmte Phänomene untersucht und daraus Rückschlüsse für die eigene Fragestellung gezogen. Der Vorteil eines solchen Unterfangens ist die induktive Vorgehensweise.

Inwieweit kann BW8 eine solchen Ansatz unterstützen? BW8 bietet hier - allgemein gesprochen - 2 Möglichkeiten. Zum einen die morphologisch vorbereiteten Textkorpora und den Keyword in Context (KWIC).

a) Bevor ein Korpus untersucht werden kann, muss er vorher vorbereitet, d. h. annotiert werden. Hier hat BW8 einen Vorsprung, weil viele zur Verfügung stehende Korpora bereits entsprechend aufbereitet sind.

Beispiel (aus dem Hilfetext):

agapate = agapaw@vdpa2p

hgaphsen = agapaw@viaa3s

In den sog. morphologischen Versionen ist jedes einzelne Wort (Token) annotiert, d. h. hinter dem @-Zeichen folgt die konkrete grammatikalische Bestimmung des Wortes. In diesem Fall "v" für Verb, "i" bzw. "d" für Indikativ bzw. Imperativ usw. Dadurch steht mir die Möglichkeit zur Verfügung, exakte grammatikalische Abfragen zu machen.

Momentan bietet BW8 für folgende Textkorpora eine morphologische Version an: 

Greek
BGM BibleWorks LXX/BNT (NA 27) Morphology
BYM Robinson-Pierpont Morphology 
BYZ Robinson-Pierpont Majority Text (2005)
GNM AGNT2 Friberg GNT Morphology
PHM Works of Philo Morphology
SCM Scrivener 1894 NT Morphology 
STM Stephanus 1550 Morphology
TIM Tischendorf NT (8th ed.) Morphology 
WHM Westcott and Hort NT Morphology

Hebrew/Aramaic
CGM Targum Cairo Geniza (Morphology) 
FTM FragTargums, TgSheniSuppEsther, TgTosefProphets Morphology
NFM Targum Neofiti Morphology 
NMM Targum NeofMarginalia Morphology
PJM Targum PseudoJonathan Morphology
TAM Targumim Morphology (Mostly Onkelos and Jonathan)  (updated 2005) 
WTM Westminster Hebrew OT Morphology (Version 4.10)

Anhand statistischer Berechnungen kann der Nutzer Hypothesen bilden (siehe dazu), ob ein bestimmter Terminus signifikant häufig in einem Korpus erscheint, ob bestimmte grammatikalische Formen überwiegen usw.  

b) Keyword in Context (KWIC)

KWIC erlaubt auch nicht annotierte Textkorpora auf sprachlich-syntaktische Phänomene zu untersuchen.Wenn ich z. B. die Kookkurenzen rund um den Begriff ἔργον im Johannesevangelium untersuchen möchte, ergibt sich folgende Übersicht.

In der Tabelle erkenne ich, welche Worte mit ἔργον kookkurieren. Hieraus lassen sich verschiedene Schlüsse ableiten, z. B. das πιστεύετε 5x in der Nähe des zu untersuchten Begriffs erscheint. Indem ich πιστεύετε auswähle, zeigt mir BW8 die syntaktische Stellung von Substantiv und Verb und ich kann hier diverse Beobachtungen ableiten.

Eine solche Untersuchung ist deshalb wichtig, weil häufig der Kontext die Semantik eines Wortes mitprägt und es daher bei semantischen Analysen auf die usuellen Wortverbindungen ankommt (vgl. z. B. "Werke des Gesetzes" bei Paulus). 

Eine Ergänzung zur Analyse von Texten kann auch noch die Funktion Phrase Matching Tool bieten. Indem der Nutzer von einem konkteten Vers ausgehend Tools / Analyzing the Text / Phrase Matching Tool aufruft, erhält er mögliche Wiederholungen ähnlicher Phrasen in anderen Stellen. Großartig!

5) BibleWorks 8: Umwelt AT u. NT und BW8

Was hat BW8 in Bezug auf die Umwelt AT und NT zu bieten? Welche Tools und Hilfsmittel stehen zur Verfügung?

a) Kartenmaterial

BW8 bietet - so wie es sich für ein modernes Softwareprogramm gehört - zum einen ein eigenes BibleWorks Maps Module und zum anderen 12 Satellitenbilder/-karten der sog.NET Bible Maps. Ersteres ist in das Programm eingebunden, so dass ein rechte-Maustaste-Klick auf einen Ortsnamen in einer englischen (!) Bibelversion und die entsprechende Auswahl das Modul öffnen lässt. Von hieraus kann der Nutzer sich z. B. andere Orte aus einem bestimmten biblischen Buch oder einer Zeitepoche, die Missionsreisen bekannter Apostel, geographische Übersichten über den Dienst Jesu usw. anzeigen lassen. Zudem lassen sich in das Kartenmaterial weitere Orte eintragen. Sämtliche zur Verfügung stehenden Karten lassen sich in andere Projekte (beispielsweise Powerpoint-Präsentationen) problemlos einfügen.

b) BibleWorks Timeline

Für eine geschichtliche Einordnung kann der Nutzer die Zeitschiene nutzen. Hier werden Ereignisse der Profan-, Heils- und Kirchengeschichte dargestellt. Auch hier besteht die Möglichkeit, weitere Ereignisse einzufügen und abzuspeichern. Ein Export klappt ohne Probleme.

c) Isaih Scroll online

Über Resources / External Resources hat der Nutzer Zugriff auf die Jesaja-Schriftrolle im www (Abbildungen und Erklärungen in englischer Sprache). BW8 bietet lediglich den Link dazu, ist aber auch für die Umwelt AT u. NT nicht sehr ergiebig.

d) External Resource Manager (Ermie)

Ermie ist eigentlich kein Tool, um sich Kenntnisse zur Umwelt AT u. NT anzueignen. Vielmehr bietet Ermie eine Katalogstruktur (die z. B. an den windows explorer erinnert), in der der Nutzer seine lokalen und Internet-Favoriten/Lesezeichen in den Formaten txt, doc, pdf und html katalogisieren kann. Der Vorteil eines solchen Systems wäre, dass der Nutzer aus BW8 heraus (während er/sie also am Text in BW8 arbeitet) auf andere Ressourcen zurückgreifen kann.

Einen Nachteil sehe ich darin, dass gute Browser und auch Windows 7 ausgezeichnete Funktionen hier schon anbieten, so dass der Nutzer sich schon langfristig für Ermie entscheiden muss, damit es einen nachhaltigen Nutzen hat.

Ermie kommt mit einigen vorbereiteten Links daher und findet deshalb in dieser Rubrik seine Erwähnung, weil die Entwickler auch zur Umwelt AT u. NT einige Verweise abgelegt haben.

Insgesamt ist festzuhalten, dass Tools und Hilfsmittel zur Umwelt von AT u. NT (wenn man die verschiedenen Lexika mal außen vor lässt) eindeutig nicht der Schwerpunkt von BW8 sind. BW8 bleibt seinem Motto - Focus on the text - treu. Andere Programme werden hier weit mehr anzubieten haben (z. B. Logos4).

6) BibleWorks 8: meine Würdigung

Was lässt sich nun abschließend über BW8 sagen? Wo liegen die Vorteile, wo Verbesserungsbedarf der Software? Für wen ist die Software geeignet bzw. wem zu empfehlen?

BW8 will den Nutzer an die Primärtexte heranführen! Insofern ist es die Software, die ein an Exegese und Studium der biblischen Texte interessierter Nutzer konsultieren wird. Die Dreiteilung in Suche-, Ansicht- und Analyse-Fenster wirkt durchaus intuitiv und logisch.

Eines der großen Vorzüge ist die Geschwindigkeit verschiedener Suchabfragen. BW8 ist schnell, sehr schnell. Die Suche nach Versen in der LXX und im NT, in denen die Infinitivform ποιεῖν und das Substantiv κύριος (über 3800x in der griechischen Bibel) gleichzeitig vorkommen, ist in 0.18 Sekunden erledigt. Somit wird die Freude am Suchen und Experimentieren nicht durch lästige Wartezeit vermindert. Auch lassen sich einfache Suchen (insbesondere durch Short-keys), ein schneller Export in andere Programme, das direkte Nachschlagen von Lexika, Grammatiken usw. zügig und simpel durchführen.

Die o.g. Posts stellen nur einen Bruchteil der Möglichkeiten dar, die BW8 bietet. Der Nutzer kann wie in keinem anderen Programm eine eigene Oberfläche konfigurieren und sogar mit Hilfe des Configuration Manager mehrere Benutzeroberflächen anlegen. Übersichliche Study Guides (Text und Video-Clips/Anleitungen) erleichtern den Einstieg, so dass sich eine erstes Handling schnell einstellt. Für Fortgeschrittene stehen ausführliche Hilfe-Texte und eine lebendige BW-Community in Foren zur Verfügung.

Eine große Hürde für deutsche Nutzer bleibt das Englisch. Nicht nur dass die Benutzeroberfläche (eine Umstellung ins Deutsche ist wie in manchen Programmen nicht möglich) und viele Tools (z. B. das Kartenmaterial) nur in Englisch nutzbar sind, so sind auch einige deutschsprachige Werke nur als englische Übersetzung in BW8 verfügbar (z. B. W. Gesenius, Hebräische Grammatik). Hier hätte man sich durchaus die deutschen Originalwerke gewünscht. Neben dem Einarbeiten in das Softwareprogramm steht der deutsche Muttersprachler also auch vor einer sprachlichen Barriere. Nun wird beides mit dem stetigen Nutzen von BW8 immer mehr abnehmen, so dass man die sprachliche Barriere auch relativieren kann. Bei Schwierigkeiten kann das sich noch in den Kinderschuhen befindende BW-deutsche Forum konsultiert werden.

Freude und Gewinn mit BW8 (bei einer Investition von $349.00) wird aber nur der haben, der BW8 kontinuierlich (es ist wie mit den biblischen Sprachen - ansonsten entgleiten sie einem) nutzt. Der Einstieg in BW8 gelingt relativ leicht. Das Suchen, Lesen von Texten und das Konsultieren der Lexikas ist auf Anhieb gelernt. BW8 kann aber mehr als das. Das wird ja schon aus der Fülle an Icons in der Menü-Leiste deutlich. Und es sollte auch in seiner Fülle genutzt werden. Andernfalls lohnt sich die Anschaffung nicht.

Bei stetiger Nutzung ist ein gewisser Schwelleneffekt festzustellen. Irgendwann ist der Nutzer nicht mehr genötigt, die einzelnen Kurzbefehle für die command line im Hilfe-Text nachzuschlagen. Er kann die graphische Suchfunktion anwenden. Einzelne Tools müssen in der Menü-Leiste nicht lange gesucht werden ("wo habe ich das denn gesehen?") und die Nutzbarkeit des Programms frustriert nicht bei der Exegese bzw. Bibelstudium.

Daher ist dem Interessenten für BW8 anzuraten, sich sorgsam seine Entscheidung für den Kauf zu überlegen. Ist die Entscheidung gefallen, kommt es erst dann zum Mehrwert für das eigene/pastorale/wissenschaftliche Studium, wenn das BW8-Icon ständig getätigt wird. Frei nach dem Motto: "Drum prüfe, wer sich (ewig) bindet... und bleibe dann dabei".

Alexander Drews is pastor of the Mennonite Christusgemeinde Brackwede (in Bielefeld, Germany) holds a Master of Theology of the University of South Africa (UNISA). He is also a Ph.D. candidate at University of Mainz.

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